»Aber, Warwara Michailowna!« sagte er, von ihrem Ausdruck frappiert, »warum nehmen Sie sich nicht aus?«
Sie schüttelte den Kopf.
»Aus Selbsterkenntnis. Ich hab' Sie heut verloren,« entgegnete sie und gab ihm die Hand, »also adieu, — nicht nur für heute. Ich verzichte auf Sie. Ich entlasse Sie. — Aber nun hören Sie: es ist doch der Schulrock, und nicht der Gesellschaftsrock, der Ihnen am besten steht.«
Er sah ihr nach, wie sie langsam die breite Treppe hinunterstieg. Aber als sie seinen Augen entschwunden war, vergaß er auch schon wieder, was ihm, durch den Scherz hindurch, heute an ihrem Wesen so aufgefallen war.
Und sein Blick glitt von ihr fort über die andern hin, die ihr folgten, über jung und alt, und vertiefte sich in die Mienen der einzelnen mit dem Interesse, das der wechselnde Ausdruck in den verschiedenen Menschengesichtern stets in ihm hervorrief.
Ja, nun begannen die Ferien, und die langen, nicht enden wollenden Sonnentage. Da würden seine Gedanken erst recht hierher wandern, in die Schule. Einen andern Wirkungskreis gab es wohl nie mehr für ihn, — einen breitern. Er wollte auch keinen in diesem Augenblick. Sein Ehrgeiz schwieg still. Zu Kindern reden lernen wollte er, und die Großen zu Kindern machen, bis auch sie empfänglich wurden, gleich denen, die da noch wachsen.
Mit diesen Gedanken verließ Erik das Schulgebäude.
Er war ungeduldig, heimzukommen: er sah eine Bank im Garten, hinten am kleinen Gehölz, unter den überhängenden Birkenzweigen, und Ruth saß darauf, und lauschte, während er ihr von allem erzählte, was »er sich ausgedacht«. Zusammen wollten sie's sich ja ausdenken, hatte er ihr versprochen.
Daheim sein bedeutete jetzt nicht mehr bloß die Stille und das Behagen, aus denen seine unbefriedigte Thatkraft ruhelos und vergeblich in die Weite gestrebt hatte. Daheim umfing ihn gerade seine liebste Arbeit und Aufgabe, — daheim fiel jetzt Innen und Außen, Ruhen und Wirken, Träumen und Schaffen in eins zusammen. In Ruth war etwas, das machte sein ganzes Wesen produktiv, erregte und vertiefte alle seine Kräfte, so daß leise von ihnen abglitt, was dem äußern Ehrgeiz angehört.
Als Erik die Gartenpforte öffnete, sah er auf dem Rasen, zwischen den Bäumen, ums Gehölz herum, eine wilde Jagd. Er sah Ruth, Jonas — und noch einen. Einen mittelgroßen, etwas untersetzten Mann mit kurzem dunkeln Vollbart und Brille. Der jagte sich mit Ruth, und haschte vergeblich nach ihr. Seine Stimme klang scherzend und lachend herüber.