Es war Bernhard Römer.

Nun wurde er Eriks ansichtig und kam heran.

»Auf einen Tag und eine Nacht, wenn's recht ist!« rief er, ein wenig außer Atem, und fuhr sich mit dem Taschentuch über das kurzgeschorene dichte braune Haar; »— und die Ruth nehme ich gleich mit fort, — das heißt, wenn ich sie hasche. Dann soll ich sie kriegen, haben wir ausgemacht,« fügte er hinzu, während sie sich die Hände schüttelten, »das ist ja ein reizendes Ding. Sieht aber noch aus wie ein Kind. Vierzehnjährig.«

»Sie ist zart,« sagte Erik und stieg mit ihm die Terrasse hinauf.

»Zart? Muskulatur wie eine stählerne Feder. — Es ist ungerecht, daß du sie hast. Wir brauchen ein Hauskind. Ihr habt ja den Jungen.«

»Bist du schon so schnell zurückgereist? Und deine Frau?« fragte Erik, ihn unterbrechend, und bot ihm einen Stuhl neben Klare-Bel, die auf der Terrasse lag und lächelnd dem lustigen Treiben zugesehen hatte.

»Ich mußte zurück. Und meine Frau? Ja, die wollte noch nicht zurück. Die Frauen sind heutzutage entsetzlich selbständig. Sei froh, daß Bel dir nicht fortlaufen kann. — Meine Frau, die reist also herum und besichtigt Suppenanstalten.«

»Suppenanstalten?«

»Na ja. Und besucht auch noch den verrückten Grafen in Jasnaja Poljana. Für so etwas interessiert sie sich nun einmal. Von Rechts wegen sollte ich wohl meine hochwohllöbliche Professur aufgeben und ein russischer Bauer werden, der das Feld pflügt. Aber ein so edler Mann und Ehemann bin ich nun doch nicht.«

»Ich finde: sehr,« bemerkte Klare-Bel staunend, »da Sie Ihrer Frau alles das erlauben.«