Als Erik wieder aus dem Hause trat, sah er Ruth mit Jonas unter den Birken auf und ab gehen. Sie hielten sich lose umschlungen und stießen sich gegenseitig an den grasbewachsenen Wegrand, wo der Frühherbst das welke Laub angehäuft hatte. Es machte ihnen offenbar lebhaftes Vergnügen, mit den Füßen durch die Blätter hindurchzurascheln.

Jonas hatte Ruths Hand gefaßt, die auf seiner Schulter lag, und von Zeit zu Zeit neigte er den Kopf seitwärts und fuhr mit ihrer Hand liebkosend über seine eigene Wange.

»Jonas!« rief Erik den Knaben laut an.

Der schrak auf bei dem Ton.

»Was soll ich?« fragte er und kam betreten näher.

»An deine Ferienarbeiten sollst du!« sagte Erik, und schämte sich vor sich selbst.

Ruth folgte Jonas ins Haus.

Erik war im Garten stehen geblieben und sah den beiden nach.

Da war es wieder, — dies Kindhafte, Kindische, dieses Unausgewachsene und sonderbar Unreife, über das er in Ruths Wesen nicht hinwegkam. Es nahm nicht ab, es nahm zu, — es steckte ganz tief irgendwo, im Kerne ihrer Natur. Geistig hatte sie sich rasch und stark entwickelt, wie junges Laub in warmem Mairegen. Aber es war, als ob nun erst auch alle kindlichen Elemente sich entwickelten und zu immer vollerer Auslebung drängten, — und daneben andere, beinahe männliche, die er in ihr bis dahin nur geahnt. So schnell gewöhnte sie sich daran, ihre Gedanken zu logischer Schärfe zu formen und ihnen eine energische Richtung auf das Erkennen zu geben, als habe sie nie in der Phantastik der Träume gelebt. Sichtlich hatte das Unentwirrbare, Unklare und Wildschweifende ihres Denkens nur mit den phantastischen Stoffen selbst zusammengehangen und fiel mit diesen von ihr ab.

Erik ging langsam in das Haus zurück, wo Jonas im Wohnzimmer mit resignierter Miene über seinen Büchern saß und zu lernen schien; aber im stillen grübelte er darüber nach, wie er Ruth dem Vater am besten abspenstig machen könnte, um sie mehr für sich zu haben. Morgen war ein Sonntag, da konnte man viel unternehmen; in diesen Ferienmonaten wurde schon früh gegessen, und so bekam man einen reichlich langen Nachmittag und Abend heraus. Aber Jonas fand es ungerecht, daß auf sechs Wochentage nur ein Sonntag fiel, und daß der Vater sich gerade die Wochentage genommen hatte.