Ruth saß nicht mit im Wohnzimmer. Sie mußte in ihre kleine Giebelstube hinauf gegangen sein.

Erik trat wieder in den Flur zurück und horchte, ob sich oben nichts rege.

Und dann stand er auch schon gleich darauf am Fuß der schmalen Holztreppe.

Wie ein Dieb erschien er sich selbst, als er da, in der Halbdämmerung, auf dem untersten Treppenabsatz zögerte.

Nur langsam nahm er die ersten Stufen, dann rasch die nächsten.

Wie lange, lange war er nicht mit Ruth allein gewesen, — ganz allein. — —

Oben klopfte er kurz und laut an. Ruth antwortete mit heller Stimme. Sie stand vor dem geöffneten Wandschrank, in dem sich ihre Sachen befanden, und kramte darin.

Außer einem Tisch und Stuhl am Fenster enthielt das kleine Gemach nicht viel mehr als am ersten Tage. Aber das Fensterbrett war mit Blumen gefüllt, mit gewöhnlichen Sommerblumen, wie die Straßenhändler sie auf einem Kopfbrett vorübertrugen, und darunter standen, am Boden, Töpfe mit Ablegern aus dem Garten. Und die Tapetenwand war bedeckt mit Bleistiftzeichnungen, die einen breiten Tintenrand als Rahmen empfangen hatten. Sie rührten alle von Jonas Hand her und stellten alle irgend einen Winkel des Gartens oder des Hauses dar.

Erik sah auf den Tisch nieder, auf dem Nähzeug und Papiere unordentlich durcheinander lagen.

Es fiel Ruth nicht ein, zu fragen, weshalb er heraufgekommen sei, aber in der leichten Verlegenheit, die er selbst empfand, suchte er nach einem Wort und zog eines der Papiere unter dem Nähzeug hervor.