»Du bist nicht arm, — mein Kind bist du, — und darfst gehorchen, — mir folgen, — du sollst es immer dürfen,« sagte er heiser.

Und er öffnete die Thür nach der Treppe, über der hell das Lampenlicht aus dem Flurraum heraufschien. —

Diesen Abend zog sich Erik schon gleich nach dem Thee in sein Arbeitszimmer zurück. Klare-Bel merkte recht wohl, daß er wieder die halbe Nacht aufblieb. Obgleich doch am andern Tag der Unterricht ausfiel.

Den nächsten Morgen fragte Erik am Frühstückstisch, ob Briefe in die Stadt mitzunehmen seien.

»Willst du zur Stadt fahren? gerade heute? am Sonntag?« fragte seine Frau erstaunt.

»Ja. Ich muß selbst zwei Briefe, die dringend sind, besorgen und einen notwendigen Besuch machen,« versetzte er.

Die beiden Briefe sah Klare-Bel auf dem Nebentisch liegen. Der eine an Römer nach Heidelberg, der andere an dessen Frau nach Moskau. Beide doppelt frankiert.

Sie wagte nicht, ihn zu fragen, was er denn an Frau Römer so viel zu schreiben habe? Er machte ein so ablehnendes, verschlossenes Gesicht. Aber als er fortgegangen war, sann Klare-Bel den ganzen Vormittag traurig und besorgt diesem Gesicht nach.

Dies Wortkarge, Verschlossene kannte sie als ein schlimmes Zeichen. Erik war offen und mitteilsam, wenn er froh war; wenn er schwieg, so litt er. Und gerade dann hätte Klare-Bel am liebsten alles mit ihm geteilt. Dem Glücklichen, Frohen gegenüber fühlte sie sich leicht ein wenig gedrückt, ein wenig überflüssig. Dagegen erschienen ihr immer Leiden und Kummer als die geeignetsten Zugänge, die wohl auch sie zu Eriks Innerem hätte finden müssen, — um ihm nahe zu kommen, um ihm notwendig zu werden. Aber gerade wenn er litt, wurde er am unzugänglichsten, — wurde er stets abweisend, bis zur Schroffheit. Nur in seinen frohen Stunden erschloß er sich ihr.

So war es also wohl nichts für sie: weder mit der Freude, die sie ihm so gern bringen wollte, — noch auch mit dem Kummer, den sie mit ihm getragen hätte. —