»Komm zu mir,« sagte er sanft, »setze dich zu mir her, mein Liebling, und laß uns ruhig darüber sprechen. Ganz ruhig, — hörst du?«

Sie folgte ihm schweigend, aber ihre Augen hingen unverwandt, mit tausend aufgestörten bangen Fragen, an seinem ernsten Gesicht.

»Sieh, Kind,« fuhr Erik fort, »wenn wir hier, während unsrer gemeinsamen Arbeit, an deine Zukunft dachten, dann schwebte sie dir wie ein erwünschtes, lockendes Bild vor. Ich wollte, daß du dich später weiter entwickelst, und du wolltest es auch. Ich dachte oft bei mir, wenn ich dir zusah: manches von dem, was ich selbst einst erstrebt, könntest, in andrer Form, du einst verwirklichen. Aber was so, als Zukunftsmöglichkeit, in der Ferne stand, wird doch näher rücken müssen, bis es unwiderrufliche Wirklichkeit und Gegenwart geworden ist. Und ich wünsche, daß du diesem Gedanken jetzt nahe trittst, mein Kind.«

»— — Wie nahe — — ist es denn?« fragte Ruth mißtrauisch, aber kaum war es ihr entschlüpft, als sie ihre Hand aus der seinen riß und ihre beiden Hände flach gegen die Ohren preßte.

»Nicht!« murmelte sie undeutlich, »ich will es nicht wissen! bitte, nicht! bitte, bitte, nicht weitersprechen.«

Einen Augenblick schloß er die Augen.

Dann faßte er sanft nach ihren Händen und zwang dieselben zu sich nieder.

»Es hilft nichts, mein Kind,« sagte er fest, »es hilft nichts, sich vor etwas Unwiderruflichem zu verschließen. Gerade hiervon werden wir weitersprechen. Denn, je mehr du noch davor zurückscheust, desto dringender, desto eher muß es geschehen.«

Ruth war sehr blaß geworden.

Ein unbestimmtes Grauen stieg dunkel in ihr auf. Vor etwas, was sie noch nicht fassen, nicht deutlich begreifen konnte, was aber vor ihr empordämmerte, — unerwartet, unversehens, aus dem Nichts, — schattenhaft, gleich einem Riesengespenst.