»Ich kann nicht!« stieß sie hervor. »Es kann ja so nicht sein! Ich will nicht, daß es so ist. Ich kann nicht!«

Er beugte sich zu ihr und suchte ihren Blick.

»Wirklich nicht?« fragte er ruhig; »auch nicht, wenn du weißt: ich will es? Auch nicht, wenn ich selbst es bin, der dich bei der Hand nimmt, dich vor etwas hinstellt, das dir schwer fällt, damit du lernst, es herankommen zu sehen, ohne davor fortzulaufen?«

Sie schmiegte sich an ihn und versteckte den Kopf an seiner Schulter.

»Ich fürchte mich,« sagte sie, wie ein Kind im Dunkeln, »— irgend etwas Schreckliches ist da, — seit gestern ist es da, — und kommt heran, immer näher, — ganz dicht heran, — ganz nahe. Wie ein Ungeheuer, das sich um mich ringelt. — Ist es etwas Schreckliches — —?«

»Nicht das, was du gestern fürchtetest,« sagte er leise, »— nur das, was du gestern selbst wolltest, selbst fordertest. Weißt du nicht, was du mir versprachst? die Probe stellen. Wenn ich es nun thue, Ruth, — ziehst du dein Versprechen zurück?«

»Nein!« entgegnete sie rasch und richtete sich auf. Dagegen gab es keine Auflehnung. Nur Gehorsam.

»Worin besteht die Probe?« fragte sie entschlossen, »was soll ich thun?«

Er antwortete nicht gleich. Er hatte die Brauen zusammengezogen, und seine Zähne gruben sich in die Lippe, als litte er körperlichen Schmerz.

Ein paar Augenblicke verharrten sie schweigend bei einander.