Ein kühler Luftzug strich durch die Bäume und warf ein rundliches gelbes Birkenblatt nach dem andern ihnen in den Schoß. Mühsam schien die Sonne durch breite weiße Wolkenmassen in den Garten, und aus den Vogelnestern ringsum unterbrach hin und wieder ein kleiner, satter Ton die Stille um sie.

Da antwortete Erik mit einer Stimme, die fast rauh klang: »Du sollst dich in einer großen Sache ebenso tapfer erweisen, wie du dich einmal in einer kleinen erwiesen hast. Du sollst thun, was du schon einmal thatest, als dir das langsame Herankommen, — Näherkommen von etwas Gefürchtetem bevorstand. Es war damals, als Jonas uns die Schlange ins Haus brachte. Sie flößte dir solchen Schrecken ein. Weißt du nicht mehr, was für ein Mittel deine eigene Tapferkeit dagegen fand?«

»Nein!« sagte sie stutzend und blickte auf, »was war das für ein Mittel?«

»Du sagtest: ›Dann lieber — gleich!‹«

Ruth sprang jäh von der Bank auf und machte eine wilde Bewegung gegen ihn hin, als ob sie ihn noch rechtzeitig an etwas hindern wollte.

Dann, ohne einen Laut der Erwiderung, brach sie vor ihm in die Kniee, in das welke Augustlaub, das zu seinen Füßen lag.

»Ruth!« murmelte er angstvoll und breitete seine Arme um sie, »mein Kind! mein Liebling! hörst du mich?«

Aber sie hörte nicht mehr. Ihr Kopf fiel zurück. Sie hatte das Bewußtsein verloren.

Inzwischen kam Jonas in den Garten gelaufen, der vom Fenster aus beobachtet hatte, wie der Vater mit Ruth in das kleine Gehölz hineingegangen war.

Wie versteinert stand er still, als er jetzt Erik zwischen den Bäumen hervortreten sah und Ruth mit geschlossenen Augen regungslos in seinen Armen. Ihre rechte Hand hatte der Vater um seinen Nacken gelegt, die linke hing schlaff herunter.