Jonas schlich sich hinunter, in das kleine Zimmer von Klare-Bel neben der Wohnstube. Er konnte nicht allein sein.

Dort setzte er sich am Eingang auf die äußerste Kante eines Stuhles und brach in Thränen aus.

»Ruth ist halbtot, Mama!« sagte er außer sich, »ach Mama, sie stirbt! Die Augen hat sie schon zugemacht. Und Papa, — ich weiß nicht, was Papa thut, aber ganz bestimmt thut er ihr weh. Sie darf aber nicht sterben! Vorhin war sie ja noch so vergnügt und raschelte mit mir durch die Blätter im Garten!«

Klare-Bel war nach diesem Bericht nicht weniger erschrocken als er selbst, und mit ängstlicher Spannung warteten sie darauf, ob Erik nicht bald herunterkäme. Aber es dauerte noch geraume Zeit, bis er kam.

»Um Gottes willen, was ist denn mit Ruth geschehen?« rief sie ihm in großer Unruhe entgegen.

»Sei nur ruhig; es war eine Ohnmacht,« versetzte Erik und gab Jonas einen Wink, hinauszugehen. Dann trat er an seine Frau heran und sagte: »Ich mußte Ruth eine Mitteilung machen, auf die sie nicht genügend vorbereitet war. Jetzt mußt auch du es erfahren: Ruth geht schon in diesen Tagen fort. Nach Heidelberg, zu Römer ins Haus.«

Klare-Bel erhob sich ein wenig auf ihren Kissen und sah ihn voll tiefen Staunens an.

»Ist das dein Ernst? Du gibst Ruth aus der Hand? Aber was willst du denn ohne Ruth machen? Kannst du sie denn entbehren?«

»Das muß ich doch können, Bel.«

Im beginnenden Zwielicht vermochte sie nicht seine Züge genau zu erforschen. Aber dieselben kamen ihr vor wie aus Stein gehauen. Und diesen Ausdruck kannte sie.