»Ja. Denn sie hat dich so glücklich gemacht.«
Er zog ihre Hand an sich, und an den Mund und küßte sie voll Scham und Ehrfurcht.
»Ich danke dir für diese Bitte. Ich danke dir, Bel. Aber es kann nicht sein.« —
Er zog sich zurück, um Ruths Onkel die definitive Entscheidung mitzuteilen. Dann packte er eine Handtasche, und eine Stunde später war er fort. Er reiste noch mit dem Nachtzuge nach Moskau ab.
In dieser Nacht lag Klare-Bel viel wach und dachte an Ruth und an Erik. Sie hatte bestimmt geglaubt, Ruth werde bis zum Spätherbst bei ihnen im Haus und dann, vom Hause ihres Onkels aus, nach wie vor in engster Verbindung mit ihnen bleiben. Wie oft hatten sie darüber gescherzt, ob sie dann, später, mit Jonas zusammen auf die Universität abgehen solle? Erik hatte kein Wort davon gesagt, daß seine Absichten wohl von Anfang an andre waren. Ganz plötzlich kam er jetzt mit ihnen heraus.
Aber Klare-Bel fiel es gewiß nicht ein, Kritik an dieser Handlungsweise zu üben. Da er es so wollte, mußte es so wohl gut sein. Gut für Ruth. Er liebte sie so sehr, er konnte nur ihr Bestes dabei im Auge haben. Auch dabei, daß es so unerwartet über sie kam.
Aber gern wäre sie jetzt zu Ruth hinaufgegangen und hatte sie geliebkost und getröstet. Sie nahm sich vor, es den nächsten Tag zu thun. Zum erstenmal fühlte sie eine echt mütterliche Zärtlichkeit für Ruth, — nicht nur das indirekte Interesse, das durch Erik hindurchging und alles auf ihn bezog. —
Der Morgen war herbstlich und grau, die Terrasse noch feucht von den kalten Nebeln der Nacht. Man mußte das Frühstück im Wohnzimmer einnehmen. Ruth fand sich zur gewöhnlichen Zeit dort ein; sie war blaß und ernst, aber gesund, wie Erik es gesagt hatte, und ganz gefaßt und still.
Als sie, noch vor Jonas, hereinkam, streckte Klare-Bel ihr die Arme entgegen: »Komm zu mir,« sagte sie liebevoll, »sei nicht traurig, denke nicht an die Abreise. Noch bist du hier!«
Ruth sah auf, ohne daß sich eine Miene in ihrem stillen Gesicht verändert hätte, und schüttelte den Kopf.