In Gedanken hörte er wieder den leisen Klagelaut von gestern; er sah sie auf dem Bett daliegen, den Vater über sie gebeugt, — und sein Herz schlug beklommen. Er vermochte die Augen nicht vom Fenster abzuwenden.
Die Nacht war kalt; vom Rasen unter ihm stieg der Nebel auf. Schmal und blaß hing die kleine Mondsichel am östlichen Himmel, und aus dem Gehölz klang verschlafen ein Rabenkrächzen.
Jonas fror; er schob die Hände unter seine dünne Sommerjacke und drückte sich dichter gegen die breiten Aeste, deren Feuchtigkeit ihn allmählich durchdrang. Dabei fiel ihm der eine seiner roten Pantoffeln klatschend aus die Terrasse nieder.
Er zog den nackten Fuß unter sich und überlegte ärgerlich, ob er hinuntersteigen solle, den verlorenen Schuh zu holen. Da bewegte Ruth sich. Das Geräusch draußen hatte sie aus ihrer Traumversunkenheit geweckt.
Sie stand langsam auf und löste ihre Bluse von den Schultern.
Ein Arm hob sich heraus und, unter dem von keinem Schnürleib bedeckten Hemde, die zarte Wölbung der Brust.
Einen Augenblick stand sie mit gesenktem Kopfe still. Dann hob sie die entblößten Arme hoch über sich, stürzte vor ihrem Bett auf die Kniee und warf sich mit ausgebreiteten Armen darüber hin, den Oberkörper langgestreckt, in den Kissen vergraben. So blieb sie regungslos liegen.
Jonas verharrte unbeweglich und hielt den Atem an. Er hatte den Schuh, er hatte die Kälte vergessen.
Vor seinen Augen flimmerte es.
Weit vorgebeugt, die Finger hineingekrallt in die belaubten Zweige, um nicht zu fallen, starrte er mit klopfenden Schläfen nach dem Bett.