»Hör auf!« sagte er zwischen den Zähnen.

»Ach, Erik, ich widerspreche dir ja nicht! Das thue ich ja niemals! Sie thut mir nur so leid. So allein ist sie, und so liebebedürftig. Und nun: von Haus zu Haus, von Hand zu Hand. Und wenn sie nun erkrankt, —«

»Hör auf!« unterbrach er sie außer sich und sprang auf, und warf den Stuhl zurück, daß er zu Boden schmetterte, »hör auf, Bel! Es ist genug! Ich will es so!«

Damit verließ er das Zimmer.

Mit erschrockenen Augen sah sie ihm nach. Erik war fast immer sanft gegen sie, obschon — oder vielleicht weil — ihr Wille gegen den seinen nie recht in Betracht kam. In so heftigem Ausbruch hatte sie ihn lange nicht mehr gesehen, — wohl seit ihrem Krankenlager nicht mehr. Kranke sind gute Lehrmeister!

Nur in den ersten Jahren ihrer Ehe. Da war ihm der rasche Zorn noch nicht verraucht, da ward er leicht heftig, wenn seine Frau nicht ganz dem entsprach, was er erwartet, was er mit ihr gewollt hatte.

Seltsam: damals erschreckte es sie nicht, — nein, mehr noch, so wunderlich es auch sein mochte: sie liebte diesen Zorn. So deutlich fühlte sie, daß Eriks Liebe damit verknüpft war. Gegen einen ihm gleichgültigen Menschen konnte er nie heftig werden. Mit dem Interesse an einem Menschen wuchs in dieser herrischen Natur das Verlangen, ihn zu formen, zu gestalten, nach seinem Willen umzuprägen. Liebe und Härte fielen zusammen.

Klare-Bel hatte ein russisches Geschichtenbuch gesehen, da befanden sich auf dem dazu gehörigen Titelbilde zwei Bauersfrauen: die eine, im roten Sarafan, auf die ihr Eheliebster mit einem Weidenprügel dreinschlug, lachte über das ganze Gesicht; die zweite, im blauen Sarafan, saß daneben am Weg auf einem Stein, sah neidisch zu und weinte sich die Augen aus, indes ihr Liebster mit einer andern spazieren ging.

Das war gewiß eine dumme Geschichte. Aber diese beiden Bauersfrauen konnte Klare-Bel gut verstehen.

Niemals sollte sein Zorn sie schrecken: nur, daß er mit seinem Zorn seiner Liebe vergäße. —