Erik preßte die fieberglühende Hand in der seinen zusammen, so daß Jonas die Zähne mit Gewalt aufeinanderbiß, um den Schmerz zu beherrschen.

»Was hast du — gestern — gesehen?« fragte Erik mit heiserer Stimme.

Jonas setzte sich auf.

»Sie kniete vor ihrem Bett,« sagte er traurig, »vielleicht weinte sie, — oder betete, — so geheimnisvolle Augen hatte sie, — und ich habe mit ihr gewacht, — ganze Nacht, heimlich, oben, in der alten Ulme vor der Terrasse.«

Erik sprach kein Wort.

Aber nach einer langen Pause hob er die Hand, und leise strich er Jonas über Stirn und Haar hin. Diesmal wurde die Hand nicht zurückgestoßen. Die sanfte, liebkosende Bewegung des Vaters, der ihn so selten liebkoste, empfand Jonas als ein wortloses Verstehen und Mitfühlen, das ihn um die letzte Fassung brachte.

Und plötzlich warf er die Arme um den Nacken des Vaters. Und wie ein unaufhaltsamer Strom, fieberheiß, halbverständlich, brachen die Worte aus ihm hervor, überstürzten sich und verklangen in einem Stammeln: »Papa, lieber Papa, hilf mir! Ich kann es nicht aushalten, daß sie fortgeht! Ich war böse auf dich, — nimm's nicht übel, — hilf mir! halte sie, Papa! sie bleibt da, wenn du es willst. Früher war ich mal eifersüchtig auf Ruth, ich glaubte, daß du sie mehr liebst als mich. Aber es schadet nichts, wie sehr du sie auch liebst, Papa! Denn ich liebe sie ja auch viel mehr als dich! Mehr als dich! Mehr als alles auf der Welt!«

Erik löste leise die Hände von seinem Nacken und hielt sie fest.

»Nimm dich zusammen!« sagte er halblaut, aber mit der eindringlichen Stimme, der Jonas unbedingt zu folgen gewöhnt war, »du darfst nicht hier liegen und dich so haltlos gehen lassen. Selbst nicht im Fieber. Nimm dich zusammen.«

Fast mechanisch versuchte Jonas zu gehorchen. Er atmete mühsam.