Erik hatte sich auf die Kante des Bettes gesetzt, ohne seine Hände los zu lassen.

»Lege dich nieder. Ganz ruhig. Unterdrücke die Unruhe. Komm, mein Junge! strammer! Und nun höre mich: ich will dir helfen, wenn du mir folgst, aber anders als du denkst. Von Ruth mußt du dich jetzt trennen. Wir alle müssen es. Denn morgen schon reist sie fort, und bis dahin wirst du nicht aufstehen dürfen.«

Jonas fuhr empor.

»Papa! das muß ich! ich springe aus dem Bett! Ihr haltet mich nicht! Ich muß Ruth küssen, — ich muß sie küssen, — wenn sie geht!«

»Mit einem kranken, entzündeten Hals und Fieber wirst du Ruth nicht küssen wollen, hoffe ich,« unterbrach ihn Erik in einem Ton, der jede Widerrede abschnitt; »und du wirst es nicht nur unterlassen, sondern auch alles thun, was ich von dir verlange. Dich vollkommen beherrschen, wenn sie von dir Abschied nimmt. Mit keinem Wort, keiner Heftigkeit, keinem einzigen klagenden Ton es ihr noch erschweren. Alle Aufregung mit festem Willen niederzwingen. Das alles wirst du thun. Ich muß mich unbedingt auf dich verlassen können, wenn ich sie zu dir hereinführen soll. — Kann ich es?«

»Ja!« stieß Jonas hervor, während ihm die Lippen noch zitterten. Er konnte nicht an gegen diesen Willen, der den seinen in Bann hielt.

»Gut. Und nun will ich dir einen helfenden Trost geben für deinen ersten großen Schmerz,« sagte Erik mit so weicher Stimme, daß es Jonas war, als spräche er mit den Lauten seiner Mutter zu ihm, »wenn Ruth von dir gegangen ist, blicke nicht zurück auf sie, sondern vorwärts in dein Leben; sorge dafür, daß du dich tüchtig entwickelst, arbeite daran, daß du bald ein ganzer Mann wirst, — damit du ihr einst ein ganzer Freund sein kannst, wenn sie deiner bedarf. So kommst du, in allem was du thust, zu ihr zurück, — ihr nahe. Dulde es nicht, daß sie dich so ganz überflügelt und dich einst weit — weit hinter sich zurückläßt! Jetzt kannst du zeigen, was du wert bist, — und ob du's wert warst, Ruth gehabt zu haben.«

Jonas lag ganz still und lauschte.

»Ja!« sagte er begeistert, »das will ich! ach, Papa, das will ich!«

Und er hob den Kopf und küßte den Vater. Erik hielt seinen Kopf einen Augenblick lang an sich.