»Ich meine kein Geschenk. Ein Recht.«
Erik stutzte.
Er schaute forschend in ihre Augen, mit dem fest auf ihn gerichteten rätselhaften Blick.
»Nimm dir dein Recht, Ruth,« sagte er einfach.
Sie flüsterte kaum hörbar: »Daß ich erfahre, warum. Das plötzliche Fortmüssen, — — — warum?«
Er legte ihr die Hand über die Augen.
Eine lange Pause entstand.
»Du hattest vorhin ganz recht: eins fehlt noch,« antwortete er dann, »zwischen uns fehlt eins. Weißt du, was es ist? Daß zwischen dir und mir ein zu großes Stück Menschenleben liegt, — daß wir im Alter so weit voneinander entfernt sind. Denke nur: du und noch einmal du, das gibt immer noch nicht: ich. Auf eine so große Entfernung hin ist es bisweilen schwer, manches miteinander zu teilen, — mitzuteilen. Aber nun sieh das Wunder: dieser Mangel, diese Lücke und Leere zwischen dir und mir, — sie eint uns gerade. Nur sie macht, daß ich dich leiten und dir befehlen kann. Sie macht, daß du da so vertrauensvoll knieen kannst, wie eben jetzt, und mit deinen trotzigen Augen zu mir aufschauen. Sie macht, daß ich den Weg besser kenne als du. Denn ich habe den halben Weg schon zurückgelegt. — Oder könntest du das missen? möchtest du lieber, ich stände neben dir, von gleichem Wuchs wie du? noch suchend, irrend, eines Wegweisers bedürftig, wie du?«
»Nein!« sagte sie lebhaft, »das wäre wie zwei Kinder im Walde.«
»Dann nimm es hin, daß ich dir nicht antworte.«