»Verse, — das ist ja möglich,« gab Erik zurück, »auch sind sie keineswegs schön. Ganz im Gegenteil. Aber ein Schulmädchen —«

Er brach etwas verlegen ab und ärgerte sich. Die Bemerkung war auch gar zu einfältig. Schulmädchen waren sie ja alle, und eine von ihnen mußte es doch gewesen sein. Mußte? Da kam ihm ein Gedanke: vielleicht ist es gar kein selbständiger Aufsatz?

Er blätterte im Heft zurück. »Es ist noch ein früherer Aufsatz darin. Etwas Literarhistorisches. Der fällt stark dagegen ab. Lauter mühsam nachgezogene Linien — und falsche Linien. Es geht die Sage, daß bei den Aufsätzen nicht immer fremde Hilfe verschmäht wird. Sollte das nicht die Lösung des Rätsels sein?«

Während er aber noch sprach, war er schon überzeugt, daß er sich irrte, und daß sie sogleich auftrotzen und mit beleidigtem Stolz behaupten werde, ihr habe niemand geholfen.

Jetzt schüttelte sie auch wirklich den Kopf und sagte: »Mir hilft niemand.«

Aber wieder schaute er betroffen auf. Wie klang das! Gerade so, als habe sie unter Thränen gesagt: »Ich bin ja so mutterseelenallein!« Ein stiller Ton war darin, der ihn rührte, — etwas so ganz Neues, Unerwartetes, das er wieder mit dem übrigen nicht zusammenreimen konnte.

Es litt ihn plötzlich nicht mehr auf dem Katheder, in der ruhigen Haltung des Lehrers. Ein zwingendes Gefühl von Interesse fand gleichsam seinen Ausdruck darin, daß er herabstieg und zu ihr hintrat an die Bank, in die Mitte der übrigen.

Als er dicht vor ihr stand, ward er sich einer Uebereilung bewußt und kehrte, wenn nicht zum Platz, so doch zur Rolle des Lehrers zurück.

»In der Aenderung des Titels und der Anwendung von Versen liegt eine auffallende Abweichung vom Vorgeschriebenen; hier galt wohl eine Ausnahme, die mein Vorgänger machte?« fragte er.

»Er zog sie vor! sie durfte thun, was sie wollte!« schrieen einige.