Aus Gespensterfurcht?
Nein. Aber wohl, weil er ahnte, was mit diesem Wort in ihr selbst aufwachen mochte, an unbewußtem, ungeheurem Fordern und Bewundern und Erwarten.
Sie sagte es, gar nicht in Ekstase. Wie etwas Selbstverständliches. Wie ein Kind einen Kuß gibt.
Aber er ahnte: nie, noch nie war sie der Liebe, der vollen Liebe, so nah wie in diesem kindlichsten Bekenntnis, — dem vermessensten.
Nein, keine Gespensterfurcht! vor nichts.
Und er küßte sie aufs Haar.
»Nicht wie Gott, Ruth. Und doch für dich: wie dein Gott.« —
Im Wohnzimmer war Klare-Bel damit beschäftigt, Ruths Koffer zu schließen und ihr eine kleine Reisetasche zu füllen. Gonne half, das Letzte zu ordnen und zu besorgen. Am Gartengitter draußen stand ein leichtes Fuhrwerk, eine ländliche »Karfaschka«, welche das Gepäck aufnehmen sollte. Erik wollte mit Ruth zu Fuß zum Bahnhof gehen.
Als das Gepäck aufgeladen wurde, kam er mit ihr aus seinem Arbeitszimmer heraus. Klare-Bel blickte erstaunt auf. Weder er noch Ruth machten ein trauriges Gesicht. Und doch wußte sie: erst jetzt, dort im Zimmer, hatte er es Ruth mitgeteilt.
»Wie er das nur zu stande gebracht hat? Er kann doch alles, was er will!« dachte sie bewundernd.