Ruth hatte das nicht gedichtet. Erik hatte es gedichtet. Aber Ruth hatte es gestammelt. Ungezähltemal. Vielleicht auch in ungezählten Versen.
Er wußte es nicht. Aber oben in der Giebelstube, unter fortgeworfenen Papieren und verwelkten Blumen, hatte das durchgerissene Blatt mit den gestammelten Versen gelegen.
Und seitdem dichtete er diese Verse, er sah vor sich hin und dichtete an ihnen.
Ruth hatte sie nicht gedichtet. Erik hatte es gethan.
Aber so, — so in jedem Worte würde sie sie gedichtet haben, — ein wenig später, — im Rückblick.
Sie saßen alle zusammen.
Klare-Bel im Hintergrunde der Wohnstube, in einem großen, bequemen Lehnstuhl. Jonas am Eßtisch: er hatte die Lampe dicht herangerückt, um besser sehen zu können, was er in sein Schulheft schrieb. Erik am Kamin, in welchem mächtige Holzkloben brannten; von Zeit zu Zeit bückte er sich und warf aus einem blankgeputzten Kohlenbehälter, der mit Tannenzapfen gefüllt war, ein paar von den braunen, herzigen Zapfen in die Glut.
Das Zimmer hatte ein ganz winterliches Aussehen bekommen. An Stelle der leichten Sommergardinen schwere, schützende Fenstervorhänge, am Kamin zwei Sessel aus der Stadtwohnung, unter denen ein mächtiger Bär seine Tatzen vorstreckte.
Schon im Anfang des russischen März, noch ehe der Winter zu Ende ging, war dieses Jahr die Uebersiedelung vor sich gegangen. Klare-Bels wegen. Hinter ihr lag der Leidensweg eines halben Jahres, der sie langsam zur Genesung führte.