In der Ecke lehnten zwei starke Stöcke mit Krückgriffen. An diesen Stöcken mußte sie täglich einige Schritte thun. »Laufen lernen,« wie Jonas lachend sagte, der ihr am liebsten die Stöcke ersetzte. Und diese Schritte sollte sie in frischer Luft thun.

Sie saßen alle zusammen und schwiegen zusammen. Klare-Bel saß in halb liegender Stellung und sann vor sich hin; die Handarbeit, die sie vorgehabt, entglitt ihren Händen. Sie fühlte sich müde von ihren wenigen Schritten.

Jonas, der war wie verrannt in seine Arbeit. Mit den schmalen Schultern, lang aufgeschossen, ein wenig weichen, blonden Flaum an Kinn und Lippe, bückte er sich über die Bücher. Der Sicherheit halber hatte er auch noch in jedes Ohr einen Finger gesteckt. Das war unnötig.

Und Erik blickte in die Glut — —

»Bis ganz die Welt um uns versank —«

Gonne war es, die endlich die Stille unterbrach. Sie brachte den Abendthee herein. Klare-Bel ließ sich hinter den Samowar rücken: ihre täglich neu genossene Freude, wenigstens in solchen kleinen Dingen wieder Hausfrau zu sein.

»Heute warst du gewiß froh, Erik, ein so langer Brief von Ruth,« bemerkte sie dabei, »man muß sagen: sie schreibt treulich, — regelmäßig. Aber manchmal einen Zettel, manchmal ein Buch!«

»Ich möchte wissen, warum du ihr noch nie geschrieben hast, Jonas?« fragte der Vater, »sie will oft von dir wissen.«

Jonas wurde sehr rot.

»Wovon soll man sich denn schreiben? Ich habe genug zu thun,« murmelte er über seinem Theeglas.