»Für so junge Menschen ist das Briefeschreiben auch nichts,« meinte Klare-Bel, »Ruth ist doch sicherlich begabt, nicht wahr? Und sind ihre Briefe nicht ganz entsetzlich nüchtern, Erik?«

»Nun ja. Wenn sie nicht etwas zu erzählen oder zu beschreiben hat.«

»Beschreiben? was denn? wie ein Berg aussieht, oder was für Wetter es ist, — ein Schneetreiben im Winter, kann sie das nicht seitenlang erzählen? Aber ich finde, dabei erfährt man recht wenig von ihr selbst.«

Erik schwieg. Er fand es auch. Dies Entzücken an der Schilderung, selbst des geringsten, die Hingebung in der Wiedergabe dessen, was sie umgab, und was unmittelbar von ihr aufgenommen wurde, — das alles lag neben einer spröden Wortkargheit, wo es ihre Gefühle betraf. Es war nicht Verschlossenheit, — es war Haß gegen das Wort, das ungenügende. Schlechte Verse kritzeln, singen, stammeln, die Augen aufheben, — ehe er das nicht wiedergesehen, nicht wiedergehört, war Ruth für ihn wie begraben.

Und wieder schwiegen sie.

Der Theetisch wurde abgeräumt. Nur eine Fruchtschale mit Aepfeln blieb darauf stehen. Jonas machte Miene, seine Bücher und Hefte wieder auszubreiten.

Erik hinderte ihn daran.

»Genug!« sagte er, »es ist ganz unmöglich, daß du mit deinen Schularbeiten noch nicht fertig sein solltest.«

»Ich bin es ja auch, Papa. Aber ich wollte jetzt abends noch Russisch treiben. Einer von den Jungens hilft mir in der Freistunde darin.«

»Ich sehe nicht ein, zu welchem Zweck? Schon im Herbst gehst du ins Ausland. Du wirst ja nicht hier studieren. Wozu also?«