»Aber, Erik!« sagte Klare-Bel vorwurfsvoll, während sie doch vor Freude errötete, »etwas so Kostbares und Ueberflüssiges! Im russischen April!«
»Ueberflüssig?« Er ordnete die langen Stiele geschickt in einem geschliffenen Kelchglas. »Der Frühling ist doch nicht überflüssig. Und ich meinte: in einem Landhause müßte er wenigstens drinnen sein, wenn er schon nicht draußen ist.«
Ihre Augen füllten sich langsam mit Thränen; sie schlug sie nieder, damit er es nicht sähe. Der Frühling war ja drinnen eingekehrt, ihr Frühling, auf den sie gewartet hatte, wie auf eine Lebenserneuerung gerade für Erik. Aber dieser Frühling war blumenlos und frostig geblieben.
Nein, das war ungerecht. Ungerecht gegen ihn, dem sie ihre Genesung dankte: abbittend blickte sie Erik verstohlen an. Aber das mußte sie ja sehen: er ertrug kaum die Trennung, — die Trennung von Ruth. Solange Bel ihn glücklich gesehen, war sie arglos und sorglos geblieben. Jetzt aber lag es auf ihr, bei Tag und bei Nacht.
»Hast du Ruths gestrigen Brief schon beantwortet?« fragte sie nach einer Pause.
»Ja. Noch nicht völlig beendet,« erwiderte er.
Sie zog den Flieder zu sich heran und vergrub ihr Gesicht in den duftenden Dolden.
»Da war doch, — ist der junge Russe noch immer da, den sie so gern haben?«
»Jurii? Ja. In den jetzt angehenden Ferien sollte er sogar, glaub' ich, eine kurze Zeit bei ihnen wohnen, — draußen am Schloßberg. Sie wollten allerlei zusammen unternehmen. Römer hält viel von ihm.«
Eine kleine Pause entstand.