Auch Klare-Bel war verstummt. Wieder hing jeder seinen eigenen Gedanken nach, und wieder wurde es heute ein schweigsames Abendessen. Wie sie da zu dreien bei einander saßen, eng zusammen, in herzlicher Neigung verbunden, blieben sie doch einander so weltenfern entrückt, daß keiner von ihnen teil hatte an der stummen Welt des andern.
Als nach dem Essen Erik sein Zimmer nicht wieder verließ, setzte Jonas, ohne Schularbeiten, sich zur Mutter.
»Wenn Papa nicht da ist, muß ich ihn ersetzen,« versicherte er, »kann ich dir nicht schon bald fast dasselbe sein wie Papa? Einen guten Kopf größer als du bin ich doch schon, meine kleine Mama.«
Sie sah ihn mit einem tiefen, stillen Blick an, den er nicht verstand. Dann streckte sie ihm über den Tisch ihre Hand hin.
»Mein lieber Junge. Ja, mir kannst du bald — viel sein. Wirst du es auch nicht vergessen, später, über all dem Studieren? Du mußt mir viel — viel Freude machen, Jonas.«
»Ich werde dir ganz ungeheuer viel Freude machen, Mama,« erklärte er treuherzig, »das werde ich ganz bestimmt. Denn ich werde etwas ganz Ausgezeichnetes werden. Das muß ich.«
»Freust du dich sehr auf das ungebundene, neue Leben draußen?«
»Auf draußen, — ja. Aber das mit dem ungebundenen Leben finde ich gar nicht so schön. Ich finde es viel schöner so, wie Papa es gehabt hat.«
»Wie denn, mein Kind?«
»Nun, doch so ganz gebunden, Mama. Mit dir zusammen. Das kann ich mir nämlich so wunderschön ausmalen. Fast als ob —. Eine Studentenstube, — ganz klein braucht sie ja nur für den Anfang zu sein, und an den Wänden Bücher, und auf dem Tisch eine Kochmaschine zum Selbstkochen. In der Ecke ein schönes Skelett und am Fenster viele Blumen. Da sitzt die Frau mit dem Nähzeug. Und bei den Büchern, da sitze ich, — ich meine: sitzt Papa.«