Erik suchte sie sofort auf. Er war schon in aller Frühe aufgestanden und hatte, nach mehreren vergeblichen Versuchen, Ruth geschrieben. Aber diesmal gelang es ihm schlecht, — ein gequälter Ton klang durch.

Klare-Bel lag im Morgenrock auf ihrem früheren Ruhestuhl, eine Felldecke über den Knieen. Sie sah nicht krank aus. Vielmehr klar und gesammelt.

»Du bist doch nicht leidend?« fragte er dennoch, mit ehrlicher Sorge.

»Ich bin nicht leidend, Erik. Aber ich mußte dich bei mir haben. Allein — ganz allein, — ohne Jonas.«

Und sie umfaßte seine Hand mit ihren beiden Händen.

»Um dich zu bitten: laß mich jetzt abreisen! Jetzt schon. Es sollte ja doch bald sein. Laß es jetzt sein!«

Er schwieg einen Augenblick. Diese Bitte war beredt.

»Wenn du es durchaus willst, Bel. Dann soll es beeilt werden. Ich will alle Sorge dafür tragen. Ich bin jetzt gebunden. Aber Jonas soll dich hinbringen.«

»Ach nein, Erik! Laß mich allein hin. Nicht mit Jonas. Gonne genügt. Ich bitte dich so sehr darum. Mit Jonas bin ich nicht allein. Er hat so feine Augen. Vor ihm will ich nicht —«

Sie brach ab; aber der einzige Stolz, den sie besaß, ihr Mutterstolz, schrie in ihr: »Vor ihm will ich mich nicht in meiner Schwäche zeigen, in meinem Elend!«