»Nun gut. Auch das. Dann soll er dich nur bis über die Grenze bringen. Darauf bestehe ich, Bel.«

»Ich danke dir. Und nun muß ich dir noch das andre sagen, Erik.«

»Was denn?«

Er schritt unruhig ein paarmal durchs Zimmer und lehnte sich ans Fenster. Sie sprach so klar und so ruhig bewußt. Er kannte seine Bel vollkommen, — jede leiseste Regung in ihr kannte er, — und beeinflußte er. Und nun ging von ihrem Wesen ein ihm Unbekanntes, ihm Entrücktes aus, — etwas Fremdes. Er fühlte es, ohne es sich noch erklären zu können, wie einen Druck auf die Nerven. Ein ganz seltsames Gefühl: als sei noch ein Dritter im Zimmer.

»Ich will es nur lieber schnell heraussagen, Erik. Das andre ist, daß auch du verreisen sollst, — so bald als möglich. Nicht erst zum Sommer, um mich abzuholen. Bald, — eher, — in den Ostertagen. Wo du zwei Wochen Zeit hast. Um sie wiederzusehen. Um dich zu überzeugen, ob wohl auch sie — —. Ganz gewiß, das mußt du thun. Denn sonst bist du zeitlebens unglücklich, Erik. Und das — siehst du — das könnt' ich ja nicht aushalten.«

Die Röte war ihm übers Gesicht geschossen. Dunkelrot bis über die Stirn. Er warf den Kopf zurück gegen das Fensterglas.

Das war es: eine neue Stütze besaß sie, die sie selbständig gehen und handeln lehrte! Einen neuen Herrn: schon handelte sie auf sein Geheiß!

Wie hatte er nur an Kampf denken können — mit Bel! Kampf? Nein, ausrauben, ausplündern wollte er sie! Aber sie ließ es nicht zu: sie beschenkte ihren Räuber, — freiwillig, überreich beschenkte sie ihn: »Nimm, du Armer, vom Glück Abhängiger, — ich kann's entbehren, bin die Stärkere, — ich kann entsagen, — du — nicht.«

Und glühend brannte in ihm die Scham empor, — glühende Scham, — und Auflehnung als einzige Antwort: »Tausendmal lieber ein Räuber als ein Beschenkter!«

Klare-Bel sah den Schweigenden, Wortlosen nicht an. So ganz ergriffen und benommen war sie von dem Schweren, das sie vorhatte, daß ihre Blicke ihn nicht suchten, nicht befragten, wie sonst wohl.