»Heut nacht lag ich immer und dachte: wenn es anders möglich wäre! Aber das ist es ja: es ist nicht möglich. Du kannst nicht aufhören, an sie zu denken, und ich, — wie sollte ich, — wie sollte ich nicht anfangen, sie zu hassen? Und so versündigen wir uns aneinander, Erik. Das soll nicht sein. Es ist immer alles schön gewesen zwischen uns. Es kann traurig werden, — sterbenstraurig. Aber nicht häßlich. Das soll es nicht. Ich ertrüg's nicht.«

Ein halber Laut entfuhr ihm. Sie, — was wußte sie wohl von »Haß«. Von Häßlichem. Nein, nichts! Es erfüllte ihn mit einem fast andächtigen Staunen: in ihr wurden die Gedanken nicht häßlich, nicht bitter und ungerecht, im Kampf und Zweifel, im Aufruhr und Schwanken der Seele. Sie dachte nichts Häßliches.

»Und nun hab' ich auch verstanden, — heut nacht, — warum ich gesund geworden bin,« sagte Bel leiser, als er noch immer schwieg, »und warum wir doch dessen nicht froh werden konnten. Nicht froh, obgleich ich auf meinen Füßen stehen und gehen konnte. Gott sprach darin zu mir: ›Geh!‹«

»Bel!« stieß er gequält heraus. Diese religiöse Exaltation war ihm entsetzlich. Aber Klare-Bel sagte ruhig, beinahe freundlich: »Ja, Erik. Und ich gehe. Gott selbst wollte es so. Er wollte es. Aber Jonas mußt du mir später lassen. Bei mir lassen. Jonas gehört mir mehr als dir.«

Höchstes und Alltägliches ging durcheinander. Erik fand: nun redete sie von der Trennung und Scheidung wie von einem Hausumzug; »dies ist mehr mein, — dies mehr dein.«

Er trat an ihr Bett.

»Höre mich jetzt an, Bel. Du fassest keinen Entschluß — über nichts, — ehe ich jetzt zu dir gesprochen habe. Offen. Offener als bisher. Denn du weißt nicht alles.«

»Ach, Erik, — sage nichts! Es ist schrecklich, es zu hören! — Nichts, — nein! Nur eines — hätt' ich von dir erbeten!«

Er ergriff die Hände, die sie gegen ihn vorstreckte, und hielt sie sanft fest.

»Es muß sein, Bel. Du mußt mich hören.«