»Warte noch. Bitte, nicht! Erik, — sage mir nur erst: — hast du — ihr schon geschrieben?«
»Ja,« versetzte er erstaunt.
»Ich meine — den andern Brief?«
»Ja, — auch den andern.«
»Und du hast ihn vernichtet. Nicht wahr, — das hast du doch?«
In diesem Augenblick wußte er es selbst nicht. Unwillkürlich griff er an die Tasche seiner Joppe. Es knisterte leise unter seinen Fingern.
»Erik! — das ist das Einzige, — was ich von dir erbitten wollte.«
Seine Hand krampfte sich zusammen um das dünne, zerknitterte Papier, — wieder stieg eine Blutwelle ihm ins Gesicht, — wieder die Röte der Scham, einer feinen, empfindlichen Scham. Nein, — nur das nicht! Das konnte er nicht! Vor Bels Augen das Innerste, Geheimste bloßlegen, — sein Heiligstes und sein Unheiligstes, — den Aufruhr der wildesten Stunde, — die Andacht der stillsten —.
Aber nur einen Augenblick lang zauderte er so. Sie hatte recht, — tausendmal hatte sie ein Recht darauf! Und was sie daraus erfuhr, war, was sie erfahren mußte, — sich zu erfahren scheute. Und wenn es mehr war, als sein Bekenntnis hätte aussprechen können, — wenn er selbst es war, mit allem, was in ihm tobte, gärte, schluchzte, kämpfte, mit allem Häßlichen auch, und dem Aufschrei nach Glück, — dann war es gut so.
Vor seinen Worten scheute sie sich, — vor der endgültigen Klarheit: und in dieses Dunkel griff sie verlangend, — vermessen. Wer ergründet wohl einer Frauenseele Furcht und Neugier!