Ja vielleicht! für Reflexionsmenschen, die sich selber über die Schulter gucken, sich in sich selbst bespiegeln, — spottend oder genießend! Oder für Gefühlsmenschen, die in ihren eigenen Erregungen sentimental zu schwelgen und zu schwimmen wissen, — auch sie ihr eigenes Publikum!

Aber nicht für solche, die in sich selber unteilbar eins sind und daher auch hilflos in sich selber, — wenn sie sich nicht dadurch helfen können, daß sie handeln, aus sich heraus wirken, — und sich selbst erkennen, wiedergespiegelt im Auge eines andern.

Aber Bel? Warum konnte sie entsagen? sie, die weder in Reflexionen noch in Gefühlen schwelgte, sie, die vielmehr naiv und schüchtern war und keineswegs ihr eigenes Publikum? Aber so ging es auch: mit dem großen suggerierten Zuschauer, — mit dem da oben, der alles sah. Auch sie hatte ihren Spiegel, für den sie sich schön erhalten mußte, — das Gottesauge, den blauen Himmelsspiegel!

Ein schwacher Laut, wie ein Stammeln oder Stöhnen, drang aus Klare-Bels kleinem Nebengemach. Es war, als wolle sie Erik in seinen bittern Gedanken unterbrechen, — widerlegen.

Er trat zur offenen Thür.

Bel hatte den Brief von sich geworfen, weit fort, auf den unteren Rand der Felldecke. Sie lag da, das Antlitz glutrot, in den Händen vergraben.

»Lieber Gott!« betete sie, »großer, barmherziger Gott, der du im Himmel bist, und in die Herzen der Menschen hineinsiehst, nimm mir meine Liebe aus meinem Herzen!« —


Warwara war sehr überrascht, als sie am nächsten Tage Erik auf der Straße traf und von der bereits jetzt bevorstehenden Abreise seiner Frau hörte. Sie redete auf das lebhafteste zu, noch eine einzige Woche zu warten und Klare-Bel dann mit ihr zusammen hinausreisen zu lassen. Aber es fruchtete nichts. Schon den folgenden Morgen konnte sie der Fortfahrenden, der sie baldigen Besuch im Bade versprach, einen mächtigen Rosenstrauß in das Waggonfenster stecken. Warwara war außer Erik die einzige, die Mutter und Sohn das Geleit gab, und sie fand, daß die Gatten sich nicht ganz unbefangen gegeneinander verhielten.

Nach Abfahrt des Zuges verabschiedete Erik sich nur kurz und hastig von ihr. Sehr nachdenklich fuhr sie nach Hause.