»Hoffentlich werde ich später einmal krank. — — Wie ist es dir nur ergangen, Jonas? Du schriebst nie.«

Er sah rot und verwirrt aus.

»Nie? Mir? Ja, ich mußte doch, — ich dachte ja, — — Du! willst du nicht eine Tasse Thee haben?«

»Nein, danke,« sagte sie lachend; »aber die Hauptsache ist: bald kommst du nach Heidelberg, nicht wahr? Wie herrlich, Jonas. Da studieren wir zusammen.«

»Ja,« versetzte er tiefatmend, »— endlich: — bald! endlich! endlich zusammen! Ja, — siehst du: lang wär's so nicht mehr gegangen. — — Hab' gelebt wie im Grabe,« fuhr er mit plötzlich ausbrechender Heftigkeit fort, »— muß in deiner Nähe sein, Ruth. — Bei dir. Ja, — du! — ich liebe ja nur dich. Nur dich lieb' ich, — — nimm mir's nicht übel, — aber ich lieb' dich wirklich. Kann ja nichts, hab' nichts, bin nichts, — muß mich eben erst durchbeißen, — aber bei dir sein will ich wenigstens, — jedem die Faust zeigen, der's auch will, — der dir nahe kommen will! Jedem! Hüten soll er sich! Niederschlagen jeden — —«

»Jonas! Du rasest!«

Sie war aufgesprungen, blaß vor Schreck.

Er kam zu sich, versuchte zu lächeln, einzulenken, — und plötzlich stürzte er vor ihr in die Kniee, das Gesicht in den Falten ihres Kleides.

»Ach, Ruth! sei nicht böse! Du weißt nicht, — es war ja so schrecklich für mich, — all die Zeit, — so stumm in mich hineingewürgt, alles. Sieh mich an, sei nicht böse! Nie wieder, — es kommt nie wieder, bis —: Ich weiß, — ich darf noch nicht. Aber einmal, — einmal mußt' ich, — ich wär' erstickt sonst. Ach, liebe Ruth! Ich bin ja so grenzenlos unglücklich, bis — bis du mein — mein — geworden bist!«

»Jonas!« flüsterte sie, »— Jonas, ich bitte dich, — steh auf, — laß mich los, — du bist wahnsinnig, Jonas! Das kann ja nicht —«