Ruth lehnte am Tisch und blickte nieder auf die Blutstropfen auf ihrer Hand. Langsam errötete sie, immer tiefer, bis ihr das ganze Gesicht in Flammen stand.

Was that sie hier, — allein, — im Hause, — ein Eindringling, — der Jonas hinausgetrieben?

Die Thür war weit offen geblieben. Als sagte sie: »Geh wieder!«

Ruth sah sich um. Nein, niemand sagte es. Auch Klare-Bel nicht. Nur ihr großer Stuhl stand da, mit einem hohen Schemel davor, — leer. — — —

Als kurze Zeit darauf Erik die Gartenpforte öffnete, saß in der Tiefe des Gartens, den die kahlen Bäume weithin überschauen ließen, Ruth auf der Bank unter den überhängenden Birken.

Erik blieb stehen, blickte schärfer hin, und kam langsam näher. Sie bewegte sich nicht. Wie hingezaubert von seiner Sehnsucht, in den grauen Frühling hinein, so daß sie da, — in unsicheren Umrissen, — dann immer lebenswärmer, — immer beseelter vor seinen Augen, kein blasses Gedankenbild mehr: Wirklichkeit. Weich hob der blonde Kopf sich ab von den weißlichen Birkenstämmen und dem Gehölz dahinter, das die Sonne matt durchdrang, in einem Schattenspiel von rosigvioletten Farben.

Ruth überfiel es wie eine Schwäche, lähmend, je näher Erik ihr kam, je näher die Wirklichkeit sie umfing, die unsäglich ersehnte. »Zu Hause! jetzt erst zu Hause!« dachte sie wie im Traum, und ihre Hände hoben sich ihm entgegen.

Dieses seltsam Stille, dieses Unfähige zu jedem Ausbruch, jeder lauten Bewegung, hielt auch Erik davon zurück, — als fürchte er zu verscheuchen, was er endlich wieder so beredt, so wortlos beredt und überzeugend vor sich sah: Blick, Ausdruck, Gebärde.

Ueber Ruths Kopf saß in der Birke ein Rotkehlchen, schaukelte sich auf schwankendem Zweig und sang hell.

Wie Erik vor der Bank stand, flatterte es erschrocken auf und flog davon.