Er nahm ihr das mützenartige Barett ab und strich ihr das Haar aus dem Gesicht zurück. Ganz wiedersehen mußte er sie.

»Ob du durftest? — Heimkommen, — ja! Bei Tag und bei Nacht; heimlich und offen. Es war Zeit. Zwei Wochen später wäre ich gekommen — zu dir. Vergiß den Brief, — alle Briefe, — das Fremde, den Zweifel, — vergiß alles — alles. Sei nur bei mir.«

Ja, da war es: das Gefühl der Geborgenheit, süß, zwingend, Heimatsgefühl, — nein, mehr als nur das, noch etwas andres, — dieses Unbedingte und Ausschließliche, das keine Macht im Himmel und auf Erden ihr gab: nur er ganz allein.

»Was hast du an der Hand? verletzt? laß es mich sehen,« bemerkte er und wollte das Taschentuch lösen. Sie zuckte zurück. »Thut es so weh?«

»Nein. Nichts. Bitte nicht,« sagte sie hastig, und ein Schatten glitt über ihr Glück.

Erik stand auf.

»Komm hinein. Komm, Liebling. Zu Hause bist du erst in meinem Zimmer, — im alten Ledersessel, — nicht wahr? Und hier ist es noch zu kalt für dich, zu windig.«

Während sie dem Hause zugingen, sagte Ruth: »Unterwegs erfuhr ich durch einen Zufall von der beschleunigten Badereise. Ist es nicht schlimm, daß sie noch in die Schulzeit fiel? nicht in die Ferien? Mir thut es so leid, daß ich nicht mehr rechtzeitig — —«

»Laß das,« unterbrach er sie halblaut, »— ich werde dir später alles erzählen, — später.«

Ruth wandte aufhorchend den Kopf nach ihm. Etwas, das sie fremd berührte, klang aus seinem Ton. Es war nur ein einzelner durchklingender Ton, aber er gehörte nicht zu Erik. Er selbst kam ihr in diesem Augenblick fremd vor. Er sah unverändert aus, — wie vorhin, — bis auf den Blick. Der Blick war verändert, unsicher.