Erik ließ sie unbemerkt einen Schritt vorausgehen.

Als sie die Stufen zur Terrasse hinaufstieg, folgten seine Augen aufmerksam jeder Bewegung ihrer Gestalt. Sie war ziemlich stark gewachsen, gleichzeitig hatte sich aber ihr Körper kräftiger, weiblicher entwickelt. Die dunkle Tuchkleidung zeichnete die feinen, weichen Formen ab.

Daß Ruth ihr Haar aufgenommen trug, störte ihn.

»Der Knoten nimmt dich mir fort, — den duld' ich nicht,« sagte er beim Eintreten in den Flur, und ehe sie es gewahr wurde, hatte er mit geschicktem Griff die breite Schildpattnadel aus ihrem Haar gezogen. In dichten lockigen Wellen fiel es nieder bis zum Gürtel, wie einst.

»Ach nein, — nicht, — wo haben Sie die Nadel?« fragte sie verdutzt und griff nach dem Rücken.

»In meiner Joppentasche. — Aber wiederhole das noch einmal. Nun? ›Sie?‹ oder ›Du?‹. Im Brief stand einmal ›Du‹. Nur einmal? Oder eigentlich — immer?« fragte er leise.

Sie errötete verwirrt.

»Sie — — du — — ich —«

Die Hand noch in ihrem Haar, bog er sanft, unwiderstehlich ihren Kopf nach vorwärts, so daß sie das ganze in Glut getauchte Gesicht zu ihm aufheben mußte. Sie schloß unwillkürlich, erschauernd, die Augen und gab seiner Hand nach.

Leidenschaftlich, tiefernst forschten seine Blicke in ihren Zügen.