»Mein. Mein Fürstenkind, meine Königin,« flüsterte er.
Und er beugte sich, und seine Lippen küßten den leise bebenden Mund.
Ruth zuckte unmerklich. Er gab sie sofort frei, und öffnete die Thür zu seinem Arbeitszimmer.
»Hier wartet dein alter Platz auf dich,« sagte er und ging dem Fenster zu. Aber sie war nicht gefolgt. Dem Fenster gegenüber, am Ofen, blieb sie stehn, den Kopf mit dem aufgelösten Haar gegen die weißen Kacheln gelehnt, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Ganz versonnen sah sie hinauf zur Zimmerdecke mit fragenden Augen und träumerischem Gesicht.
»Was ist dir?« fragte er unruhig, »— Ruth! — was ist dir?«
Es drängte ihn, sie in die Arme zu schließen, — sie wachzuküssen: »Du liebst mich, — du liebst mich ja, du weißt es noch nicht, aber ich weiß es für dich! Weiß es gewiß, — fühle es, sehe es, daß sie da ist, — daß deine Liebe, die Liebe des Weibes, da ist!«
Aber er schwieg.
Ja, sie war da, — und doch konnte er so nicht handeln, so nicht sprechen, ohne sie zu verscheuchen. Sie war da, — wie das Rotkehlchen auf dem schaukelnden Zweig, das aufflog bei seinem Nahen. Sie war da, — aber greifen konnte er sie nicht.
Erik blickte einen Augenblick schweigend in den Garten hinaus, dann setzte er sich in den alten Ledersessel am Fenster.
»Du bist also doch nicht heimgekommen, Ruth,« sagte er, »nicht ganz zurückgekommen zu mir. Irgend etwas in dir verschließt sich vor mir, — will mich nicht einlassen. Nicht bis in den geheimsten Winkel deiner Seele. Nicht in alles. Ich bin dir fremd geworden.«