Sie trat in den Flur hinaus, — wie hinausgetrieben von ihren eigenen verwirrten Gedanken. Dort blieb sie von neuem zaudernd stehn.
Auf dem Boden, wo Jonas mit dem Kopf hingeschlagen war, sah man ein paar kleine hellrote Flecke. Darüber, am Ständer, hing Eriks Mantel.
Der weite, dunkle Reisemantel, den er damals trug, — als sie fort sollte, — und er heimkehrte, — und als sie ihm an die Brust fiel. — —
Ruth stand und starrte den Mantel an. Mit klopfendem Herzen und verhaltenem Atem.
Und plötzlich, da wachte es auf in ihr und riß alle ihre Gedanken mit sich fort, — wild, glühend, unerträglich, — das Trennungsweh.
Mit den Händen faßte sie den Mantel, sie vergrub ihr Gesicht in seine losen, weichen Falten, mit geschlossenen Augen atmete sie den schwachen Duft in sich ein, der sie an Erik erinnerte, mit bebenden Lippen küßte sie den Saum.
Damals, — wenn er ihr befohlen hätte, ihm zu folgen, wohin es sei, wozu es sei, — bis in den Tod, bis in das Verbrechen hinein, — hätte sie es nicht blind gethan?
Sie drückte die Zähne zusammen; sie stöhnte, und ihr war, als müßte sie gleich laut schreien.
O Gott, auch jetzt, — wenn er ihr befohlen hätte, ihm zu folgen, wohin es sei, wozu es sei, — sie hätte es blind gethan! Blind gehorchend, — gegen allen Augenschein, gegen alles eigene Wissen und Verstehen! Mit ihr durfte er thun, was er wollte. Was ihr auch durch ihn geschehen mochte, — was lag an ihr? Er aber mußte für sie da oben bleiben, wo sie ihn gesehen, — sein Leben und sein Haus mußten bleiben, was sie gewesen, — an ihm lag Alles!
War er sonst noch Erik?