Unten erst, an der Gartenpforte, blieb sie stehn und blickte zurück.
Nein, dafür konnte er nichts, — Erik konnte nichts dafür, daß er anders war, und daß das Leben anders war, als sie es sich ausgedacht hatte. Im wirklichen Leben gab es nun einmal ihre Phantasiegeschichten gar nicht. Die mußte man erst hinzuthun.
Und hatte sie alles das nicht nur geträumt, — das ganze verflossene Jahr? Wie sie so dastand im Sonnenschein und Vogelsang, da mochte es ihr wohl scheinen, als sei sie zurückgekehrt zum vergangenen Mai, wo sie bange und allein, arm und einsam, hier an der Pforte lehnte und in den Garten sah. Damals meinte sie: von hier ginge der Frühling aus, der ganze wunderschöne, der draußen blühte. Und da träumte sie sich ein Märchen, das »allerschönste von allen«.
Ja, das allerschönste von allen.
So schön, daß sie es nie wieder vergessen konnte. Nein, niemals.
So schön, daß sie es nie hergeben konnte für etwas andres, was ihr das Leben bot. Niemals.
So schön, daß es nichts mehr geben konnte, — im ganzen Leben nichts, — was sie nicht immer daran messen, immer damit vergleichen, — und zu gering befinden würde.
Ruth öffnete die knarrende Pforte und trat auf die Straße hinaus. Ohne es selbst zu wissen, hob sie ihre Hand und strich leise, liebkosend über die kahlen harten Fliederzweige hin, die den Zaun in dichtem Buschwerk umwuchsen.
Dann ging sie, ohne sich noch umzuwenden, mit gesenktem Kopf den Landweg zwischen den Birken zurück zur Station, und ihr langes loses Kinderhaar flatterte im Frühlingswinde. —