Ruth machte eine Armesündermiene. »Ich will wunderschön aufräumen,« sagte sie eilig; »darf ich dann bis zum Thee noch einmal fortgehn?«

»Bis zum Thee? Ist es denn etwas so Dringendes?«

»Es ist etwas Dringendes,« sagte Ruth. Der Onkel sah auf.

»Zu wem willst du denn gehn? Es ist wohl jemand aus der Schule?«

»Ja,« erklärte Ruth und rieb ungeduldig den Thürgriff, den sie schon in der Hand hielt.

»Sage dem Diener, daß er dich begleitet und dort auf dich wartet.«

Der Onkel blickte ihr nach, wie sie leise die Thür hinter sich schloß.

»Ein merkwürdig bequemes Ding ist sie doch,« meinte er dann, seine Cigarette anzündend, »ich kenne niemand, der weniger verlangt und sich weniger bemerkbar macht als sie.«

»Weil man ihr alles gewährt,« ergänzte die Tante mit ihrer etwas hohen Stimme, die den baltischen Accent noch unangenehmer hervortreten ließ. Sie war eine Baronesse aus Livland.

»Alles? nun weißt du, ein andres Kind würde nicht so zurückhaltend sein. Sie weiß zum Beispiel: dies ist die Stunde des intimsten, ungestörtesten Beisammenseins, — und immer geht sie fort. Aber mit knapp sechzehn Jahren handelt man doch nicht aus Takt.«