Sie machte eine Anstrengung, das nervöse Beben, das durch ihren Körper ging, zu unterdrücken. Er wartete ruhig einige Augenblicke, bis es ihr gelungen war. Dann beharrte er auf seiner ersten Frage: »So. Und nun sage mir, weshalb du kamst. Sage es, so gut du kannst. Versuche es nur. Ich werde dir helfen.«
Sie seufzte und begann unsicher. »Ich komme nun bald nicht mehr in die Schule —«
»Nein. Ich weiß. Und —?«
»Und da mußte ich hierher.«
Sie brach ab, wie um ihre Gedanken zu ordnen, dann fügte sie schüchtern hinzu, mit einem rührenden Ausdruck: »Ich bin ja allein!«
Erik wurde es warm bis ins innerste Herz. Nie noch meinte er eine so tiefe, so heilige Zärtlichkeit empfunden zu haben, wie diesem Kinde gegenüber. Der Wunsch, sich ihr zu widmen, die Hand auf sie zu legen, wie auf etwas, das ihm zugehörte, ward plötzlich so stark in ihm, daß er ihn unwillkürlich als bereits erfüllt nahm und kein Hindernis gelten ließ.
»Möchtest du hierher gehören, Ruth?« fragte er.
»Ach ja!« rief sie lebhaft, und dann sagte sie mit Inbrunst: »Immer!«
Ihr Gesicht hatte sich verändert, die Augen sahen jetzt ganz dunkel aus und lachten aus den nassen Wimpern. Sie hätte so gern wieder gesagte »Danke!« Denn es lag der Inbegriff all ihres Denkens und Fühlens in dem Worte ausgesprochen. Aber sie scheute sich, es zu wiederholen.
Erik sah ernsthaft vor sich nieder, als erwäge er nachdenklich einen Plan.