»Nach dem Verlassen der Schule würdest du wohl noch mancherlei Unterricht erhalten,« bemerkte er, sie zur Wirklichkeit zurückführend, »wenigstens wäre das in hohem Grade wünschenswert. Möchtest du ihn bei mir nehmen?«
Sie nickte eifrig.
»Gut. Wir würden also miteinander arbeiten,« — und in leichtem Tone setzte er hinzu: »sehr viel arbeiten, Ruth! Wirst du das auch wollen? In dem Aufsatz da, — der hat uns ja zu einander geführt, nicht wahr? — nun, da steht fast ebensoviel zum Erschrecken wie zum Freuen. Einen so ungeordneten kleinen Kopf, mit so krausen, wilden, unfertigen Einfällen und Vorstellungen habe ich noch gar nicht gesehen. Glaubst du das wohl?«
Sie lächelte nur und sah ihn vertrauensvoll an, als ob sie dächte: »Du wirst es schon ordnen und entwirren!«
Er blickte schweigend auf sie hin, und wieder erschien sie ihm wie ein scheuer, kleiner, mattgeflogener Vogel, der sich hilflos verflattert hat, und sich mit einemmal in einemn weichen Neste findet.
Draußen zögerte die Maisonne am Himmel, und durch den feinen Nebel hindurch, der von den feuchten Wiesen jenseits des Gartens aufstieg, fielen ihre Strahlen beinahe rot, wie flüssiger Purpur. Die beiden noch vorhanglosen Fenster gingen direkt auf den Hintergarten hinaus.
Ein herber, frischer Duft nach Birkenknospen wehte mit dem lauen Abendwind ins Zimmer, und unermüdlich tönte das inbrünstige Locken der Nachtigallen.
Während Erik auf Ruth schaute, kam ihm eine störende Erinnerung.
»Erzähle mir doch,« sagte er unerwartet, »was denn das für ein Mann war, den du auf der Straße grüßtest?«
Sie errötete etwas und wurde verlegen, aber um ihre Mundwinkel zuckte es dabei, wie von verhaltenem Mutwillen. Auf den Wangen erschienen verräterisch zwei Schelmengrübchen.