»Ich — — — ach, der! Den kenne ich ja gar nicht.«
»Aber er sah dich doch so an, als ob ihr euch recht gut kenntet. Wie kam denn das?«
»Ja, das kam so,« begann sie mit einem Seufzer, und überlegte, »— es ist wirklich nicht leicht zu erzählen. Ich habe ihn mir ausgesucht, aber er weiß ja nichts davon.«
»Ausgesucht? Aber, liebes Kind, das kann doch kein Mensch verstehen,« sagte er ungeduldig, »nimm dich besser zusammen, Ruth! sprich deutlicher. — Nun?«
»Ich will ja!« rief sie eingeschüchtert, »es ist bloß so schwer! Es war eine bloße Geschichte, — die wir untereinander spielten, — im Schulhof, in der Frühstückspause, — und da mußte jemand vorkommen, der ungefähr so aussah. Und da — habe ich mir diesen ausgesucht, weil es schöner geht, wenn man dabei an einen lebendigen Menschen denkt.«
»Aber was sollte er denn davon denken? Zum Beispiel schon davon, daß du ihn zuerst grüßtest?«
»Das mußte ich ja thun! Wie sollte er sonst wissen, was er zu thun hatte? Ob er grüßen durfte?«
»Und wenn er nun auf der Straße mit dir angebunden hätte? Hast du denn das nicht überlegt?«
Sie sah erstaunt auf.
»Das durfte er ja gar nicht. Das hätte gar nicht in seine Rolle gepaßt. Er mußte edel und unglücklich sein.«