Dort stand Jonas bei den Obstbaumgruppen, emsig beschäftigt, Raupen zwischen den kleinen Blättern herauszusuchen. Eigentlich waren noch gar keine Raupen da. Aber er konnte es nicht erwarten, sie abzulesen.

Als er Ruth herankommen sah, riß er den breitrandigen Strohhut vom Kopf und machte ein verlegenes Gesicht, denn der Sonnenwärme wegen hatte er die Jacke abgeworfen.

»Papa ist im Hause!« bemerkte er diensteifrig und bückte sich nach seiner Jacke, die auf dem Rasen lag.

»Ja! Er stand am Fenster,« bestätigte Ruth, und lehnte sich gegen den dicken Stamm einer alten Ulme.

Daraus wußte er nichts zu entgegnen, und so schwiegen sie beide einige Augenblicke.

»Wie wunderschön!« sagte Ruth dann, ganz in ihren Frühling versunken, und breitete beide Arme nach den mächtigen, leise schwankenden Aesten empor, die über ihr rauschten.

Jonas sah angestrengt in die Höhe, gewahrte aber nichts.

»Wo ist das schöne?« fragte er verwundert.

»Diese kleinen, drolligen Ulmenblätter! Die andern Bäume haben schon viel größere Blätter. Aber diese sitzen noch so zusammengedrückt in den Knospen — und alle miteinander an den Zweigspitzen, — als getrauten sie sich nicht. Oder als guckten sie frierend nach den braunen, klebrigen Hülsen, die sie schon heruntergeworfen haben. Sieht es nicht aus, als wären sie in lauter kleinen Sträußchen auf dem Baum verstreut? Es sieht aus, als wären sie ihm nur so angeflogen. Und als könnten sie wieder wegfliegen.«

»Sie fliegen aber nicht weg,« versicherte Jonas und wandte sich wieder seinen vermeintlichen Raupen zu.