Und plötzlich überfiel Ruth das Bewußtsein: daß all sein Herrschenwollen im Grunde doch nur ein Dienenwollen sei. Plötzlich überfiel es sie: daß er eben jetzt leide, — um sie leide, die ihn verletzt hatte.
Es traf sie mit einem Schmerzgefühl, aber dieses Gefühl war seltsam und berauschend; es lag Triumph darin. Es war ein Schmerz, der sich wie ein Glück anfühlte.
Noch immer zitterte sie am ganzen Körper, aber nicht mehr in der Angst der Flucht. Sie hatte mitten in der Angst ihrer Flucht Halt gemacht, sich gegen den Feind gekehrt und ihn besiegt gesehen.
Wer Ruth über den Flur gehen sah, der konnte meinen, sie sei trunken. —
Um neun Uhr — Gonne hatte bereits den Thee und die gerösteten Brotschnittchen auf den Tisch gebracht — kam Erik endlich in das Wohnzimmer herüber.
»Es ist doch nichts vorgefallen?« fragte seine Frau mit einem Blick in sein Gesicht, »Ruth ist ja schon so bald fortgegangen. Und ich dachte doch, daß sie mit uns bleiben sollte?«
»Für heute war es besser so,« versetzte er, und Klare-Bel fragte nicht weiter.
Aber Jonas that es statt ihrer.
»Ruth habe ich ganz ungeheuer gern,« versicherte er, »kommt sie bald wieder her, Papa?«
»Bald!« sagte dieser.