»Denke dir nur, sie wollte es mir nicht sagen,« plauderte Jonas weiter, »ich habe sie nämlich noch im Garten gesprochen, wie sie fortging. Da sah sie so kurios aus, Papa, ihre Augen waren so groß und glänzten so, — sie sah aus, als ob sie gerade was geschenkt bekommen hätte.«
»Was geschenkt?« wiederholte Erik, und setzte das Theeglas, das er zum Munde führen wollte, hart auf das Tischtuch nieder.
»Ja, ganz gewiß, gerade so sah sie aus. Aber sie antwortete mir nicht, und dann, am Gitter, da bat sie mich um ein Glas Wasser.«
»Es ist ihr doch nicht unwohl geworden?« fragte Klare-Bel besorgt.
»Nein, aber sie zitterte ordentlich. Das Wasser habe ich ihr vom Brunnen geholt. Und dann ist sie fortgegangen. — Ich habe ihr aber noch lange nachgesehen,« fügte Jonas hinzu.
»Gewiß warst du zu streng mit ihr, Erik,« sagte Klare-Bel, »ich konnte es dir schon ansehen, wie du hinübergingst.«
»Zu streng? Aber, Bel, dann sieht man doch nicht aus, als ob man etwas geschenkt bekommen hätte.«
Er sprach in leichtem Ton, doch beschämte ihn, was Jonas erzählt hatte. Es war etwas Neues, Unerwartetes, worin er sich nicht gleich zurechtfinden konnte. Daß sie trotzte und selbst, daß sie weglief, begriff er ganz gut und rechnete damit. Aber dies hier begriff er nicht. War es denn möglich, daß sie gern, — mit Freude, fortging? — — Und daß sie nicht wiederkam? — —
Während sie noch beim Thee saßen, zog draußen ein schweres Gewitter heraus. Klare-Bel blickte ängstlich nach dem Fenster, durch das man die dunkle, schwarzgelbe Wolkenbank am Himmel stehen sah. Ein Sturmwind fuhr durch die Baumkronen, schüttelte und beugte sie; der Tagesschein, den die lange Maihelle noch über den Garten gebreitet hatte, verschwand unvermittelt. Und gleich darauf prasselte, unter grellzuckenden Blitzen und gewaltigen Donnerschlägen, ein heftiger Platzregen nieder.
»Bitte, laßt doch die Fenster schließen! bitte, Jonas, iß nicht mehr! Ach, Erik, der Donner!« sagte Klare-Bel, die vor jedem Blitz die Augen schloß.