Erik stand auf, blieb einen Augenblick am Fenster stehen und schaute in den Aufruhr hinaus, dann schloß er es und kehrte zu seiner Frau zurück. Die Gewitterangst war etwas, das sie überkommen hatte, seitdem sie hilflos dalag. Als junge Frau kannte sie dergleichen nicht, und Erik würde es an ihr auch wohl nicht geduldet haben. Jetzt hatte er Geduld damit.

»Wenn man eine Lampe anzünden könnte! Es ist so dunkel geworden auf einmal. Und dann ist der Blitz so furchtbar hell, Erik!«

»Gonne braucht keine Lampe hereinzubringen,« erwiderte er lächelnd und legte seine Hand über ihre Augen; »bist du nun nicht geborgen, Bel?«

Sie nickte dankbar und drückte ihr Gesicht gegen seine Hände.

Es war ein arges Gewitter. Unaufhörlich folgten sich Blitz und Schlag. Auf Augenblicke sah der Garten aus wie unter bengalischer Beleuchtung, und im bläulichen Scheine konnte man die vom Sturm losgerissenen Blätter und Blüten in tollem Wirbel durcheinander fliegen sehen.

Wenn der Donner besonders gellend krachte, fuhr Klare-Bel jedesmal zusammen.

»Ob Ruth wohl schon zu Hause war, ehe es losging?« fragte sie.

»Längst. Sie muß zu Hause gewesen sein, ehe wir uns zu Tisch setzten,« beruhigte er sie, »und der Diener wird sich freuen, daß er sie bei diesem Unwetter nicht zu holen braucht.«

Es währte noch eine ganze Weile, ehe Blitz und Sturm auch nur ein wenig nachließen, und der grobkörnige Regen mit schwächerem Ton auf das Dach niedertrommelte.

»Nun, Bel, jetzt wird es besser,« sagte Erik und nahm seine Hand von ihrem Gesicht. Er öffnete wieder das Fenster, durch das die abgekühlte Abendluft jetzt frisch und gewürzig hereinströmte.