»Ruth!« rief er laut.

Sie war es. Durchnäßt bis auf die Haut, in Kleidern, von denen das Wasser schwer auf den Fußboden herabtropfte, und die an einer Seite zerrissen niederhingen. Ihre Zähne schlugen hörbar aneinander.

Erik hatte sie in seine Arme gerissen und betastete sie besorgt und erregt, mit liebkosenden Händen, — Brust und Arme und das verworrene Haar, das so eng und feucht um ihr kaltes Gesichtchen klebte.

»Wann — wann, — von wo bist du gekommen? Warst du denn nicht zu Hause?«

»Ich war nicht zu Hause,« sagte sie zaghaft und schmiegte sich frostbebend an ihn; »ich bin vom Stadtbahnhof wieder zurückgefahren. Und hergelaufen. Gerade als es losging. Ich will nicht nach Hause,« fügte sie flehend hinzu, »mich friert so!«

»Mein Liebling, du sollst nicht nach Hause! Du sollst hier bleiben! Aber wie lange mußt du hier schon sitzen? Wie konntest du das nur thun? Und es hat dich doch niemand an der Thür auf der Terrasse läuten hören?«

»Ich habe nicht geläutet. Ich schämte mich. Ich bin hier in das Fenster geklettert. Aber es ging schwer,« gestand sie, und Mund und Augen lachten übermütig zu ihm auf.

»Und dann? Wenn ich nun gar nicht mehr hier hereingetreten wäre?«

»Dann hätte ich die ganze Nacht hier sitzen müssen!« erklärte sie schaudernd und rieb den Kopf an seinem Arm wie eine naß gewordene Katze. Und dann sagte sie ganz leise: »Denn vor den andern konnte ich es nicht sagen. Und doch mußte ich es sagen. Deshalb kam ich ja zurück! Ich mußte sagen: Ich will alles thun, was ich soll.«

Eine Viertelstunde später war Jonas nach dem Bahnhof geschickt worden, um ein Telegramm an Ruths Onkel aufzugeben, daß sie draußen übernachten müsse. Ruth selbst wurde wohlverpackt in Jonas' Bett gelegt, welches Gonne eilig für sie hergerichtet hatte. Dann bekam sie heißen Thee zu trinken und fiel in einen unruhigen Schlummer.