Jonas fühlte sich sehr stolz, als er bei seiner Rückkehr hörte, daß er Ruth das wichtigste Möbel, das der Mensch besitzt, sein Bett, abgetreten habe. Und voll Begeisterung streckte er sich an diesem Abend in Eriks Arbeitsstube auf dem alten Lederdiwan aus, dessen Polsterwerk an Härte und unbegreiflichen Beulen nichts zu wünschen übrig ließ. Auch war Jonas zu aufgeregt, um bald einzuschlafen, und alle Augenblicke guckte er durch die Thürritze und fragte, was denn Ruth jetzt wohl mache.

Sie fieberte heftig und sprach im Halbtraum wild und wirr durcheinander.

»Der Sandkuchen,« hörte Erik sie mehrmals ängstlich sagen, »er drückt mich so. Er ist immer größer und größer geworden. Ich fürchte mich. Er verschlingt mich. Und anfangs war er so weich und klein und so wunderschön zum Kneten!«

Erik wachte bei ihr, bis der Morgen aufstieg.

Sie warf sich ruhelos in den Kissen umher, und immer wieder sprach sie mit sich selbst in abgerissenen Sätzen. Aber wie ihm schien, waren es keine eigentlichen Fieber-Phantasien, sondern sie enthielten einen deutlichen Zusammenhang. Es kam ihm der Gedanke, daß sie vielleicht oft so mit sich selbst spräche, ohne daß ein Mensch es hörte, und daß jetzt das Fieber vielleicht nur den gewaltsamen Anstoß gegeben habe, es unbewußt vor Menschenohren zu thun.

Er konnte ihren Worten entnehmen, daß sie sich fortwährend noch mit dem Gewittergang beschäftigte. Manchmal erwähnte sie diesen in einer Weise, als habe sie ihn gar nicht selbst gemacht, sondern als sei sie gegen ihren Willen des Weges geschoben worden, — mit Gewalt hinausgetrieben in Sturm und Blitz und Donnerschläge. Sie sah sich auf dem einsamen, dunkeln Weg dahingehen, während Hagel und Wind ihr entgegentosten, und ihre Füße im tiefen, durchweichten Lehmboden stecken blieben.

Und damit vermischte sich dann ein andres Fieberbild: der Versuch vor etwas fortzulaufen, ohne es zu können, wie es wohl im Traume geschieht.

»Ich laufe und laufe, und bleibe immer am Fleck!« klagte sie unruhig, und das Fieber nahm zu, wenn sie daran dachte.

Am nächsten Morgen war Ruth fieberfrei. Als Erik, zu seinem Schulgang fertig angekleidet, zu ihr hereintrat, saß sie aufrecht im Bett, in einem Nachtjäckchen von Klare-Bel, das ihr zu kurz und zu weit war, und blickte ihm mit schüchternen Augen entgegen.

Auf der Bettdecke lagen Blumen verstreut, die Jonas in aller Frühe hereingeschickt hatte. Sogar ein paar fast unversehrte Zweige von seinem Kirschbaum waren dabei. Er hatte sie mit Todesverachtung abgerissen.