Es war immer dasselbe: ohne daß sie sich nach ihm umwandte, trat Erik dicht an sie heran, bis ihr Rücken gegen ihn gelehnt war, dann schloß er ihre beiden Hände in den seinen zusammen, so daß sie wie eingefangen war zwischen seinen Armen. Es lag für sie darin nicht nur eine Liebkosung, sondern auch etwas zugleich Beschwichtigendes und Zwingendes, unter dem sie unwillkürlich stillhielt und sich sammelte. Und dann, ohne Zeitverlust oder überleitende Gespräche, nahm er sie sofort nüchtern und ernsthaft vor. So ging der Morgengruß unmerklich in die Morgenarbeit über.

Als Erik heute morgen die Thür zu seinem Zimmer öffnete, blieb er einen Augenblick überrascht stehen. Vor den Fenstern waren die weißlackierten Innenläden geschlossen worden, so daß die graue Regenluft draußen nur durch die Ritzen hereinschauen konnte; ein einzelnes Licht brannte mit trübem Schein auf dem Schreibtisch. Vor demselben saß Ruth, umgeben von Heften und Büchern, und schrieb, ohne auch nur aufzublicken.

Erik sagte nichts. Er schlug einen Laden zurück und öffnete das Fenster, so daß Luft und Licht in breitem Strom eindrangen, dann kam er an den Schreibtisch und blies das Licht aus, während Ruth verwirrt emporfuhr.

Er beugte sich zu ihr nieder, nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und blickte sie aufmerksam an.

»Du hast geweint. Worüber?«

Sie errötete und zauderte einen Augenblick.

»Ich mag nicht dumm sein!« rief sie dann außer sich mit sprühenden Augen.

Er lachte.

»Du bist nicht dumm. Habe ich das gesagt? Wenigstens nicht hoffnungslos. Solange ich dich nicht aufgebe, brauchst du es auch nicht zu thun.«

Er rückte ihren Stuhl vom Tisch ab und nahm ihr die Feder aus der Hand.