»Aber du darfst nicht nachts aufstehen und arbeiten. Nie ohne mein Wissen. Das ist Unfug. Wenn ich abends deine Arbeiten durchgesehen habe, dann sollst du aufhören.«

»Die Sonne hörte auch nicht auf,« sagte Ruth, »sie schien hell fast die ganze Nacht durch. Im Gehölz rief ein Kuckuck; die Drosseln vor meinem Fenster unterhielten sich. Da kam ich leise her.«

Erik griff über ihre Schulter nach dem Heft, in dem sie geschrieben hatte, aber Ruth hielt es zögernd und schüchtern fest. Man konnte ihr ansehen, daß sie in ihrer Erregung beinahe litt.

»Ruhig!« sagte er eindringlich und entfernte ihre Hand vom Heft.

Schweigend las er darin eine Zeit lang, während Ruth mit gefurchter Stirn dasaß, die Hände im Nacken verschränkt und ganz blaß.

Dann legte er ihre Arbeit vor sie hin.

»Das hast du gut gemacht,« bemerkte er, »hat es dir Mühe und Ueberwindung gekostet?«

»Ja,« gestand sie ehrlich, ohne ihre Haltung zu verändern, »aber es schadet nichts.«

»Nein. Es schadet nichts. Siehst du das nun selbst ein? Es konnte nichts helfen, mit dir zu treiben, was dir lieb und leicht ist; durch das, was deinen kleinen phantastischen Kopf am härtesten anmutet, durch das, was ihm am schwersten fällt, gerade da muß er hindurch.«

Er löste ihre im Nacken verschlungenen Hände und behielt sie in den seinen.