»Ich weiß, daß es manchmal ein harter Zwang war,« sagte er, »und du dein eigenes Wesen unterdrücken mußtest; es that weh, nicht wahr? Aber es mußte sein. Und nun, — nun bekomme ich dich allmählich gerade so, wie ich dich haben will, Mädel. Ist es nicht schön?«
»Wunderschön ist es!« rief sie, mit leuchtenden Augen sich nach ihm zurückwendend, »das denke ich ja immer dabei, wenn es mir schwer fällt! Ich such's zu vergessen und denke mich nur hinein: wie wunderschön muß es sein, jemand, der ganz anders ist, gerade so zurecht zu kriegen, wie man ihn haben will!«
Ein Schatten von Enttäuschung ging durch Eriks Augen.
»Nur daran denkst du dabei, Ruth? Und ich glaubte, dich selbst solle es glücklich machen.«
»Das thut es ja eben!« erklärte sie erstaunt und stand auf.
»Was willst du nun heute morgen thun? Wir wollen in den Garten gehen. Es regnet nicht mehr. Oder meinst du, daß du schlafen könntest?«
Sie schüttelte lachend den Kopf.
»Ich möchte nicht, daß du später allein bleibst, ohne Beschäftigung und Morgenfrische,« sagte Erik; »arbeiten sollst du nicht. Vielleicht solltest du mit mir zur Schule kommen. Noch immer warten die Mädchen auf deinen versprochenen Besuch. Und in ein paar Tagen ist Klassenschluß. Es wird dich ablenken und zerstreuen. Und wenn es dich ermüdet, desto besser.« —
Gonne hatte auf der Terrasse den Frühstückstisch gedeckt, und Klare-Bel lag schon neben demselben in ihrem Stuhl, als Erik, Ruth und Jonas, erst auf wiederholte Rufe, aus dem Garten herankamen. Jonas sah ganz erhitzt aus, und der Strohhut saß ihm im Nacken; in seiner rechten Hand trug er einen hohen Eimer, den er von Gonne erbeutet hatte und jetzt auf die Stufen, die zur Terrasse führten, niedersetzte. Eine wohl zwei Fuß lange, stahlfarbene, bläulich glänzende Schlange wand sich darin.
»O pfui, Jonas!« rief Klare-Bel entsetzt, »wie magst du nur ein so greuliches Tier herbringen! Könnte sie uns nicht alle totbeißen, Erik?«