»Das kann sie nicht. Es ist eine Ringelnatter,« versetzte er lächelnd.
»Aber eine prachtvolle, Mama! ich fand sie hinter dem Gehölz, da wo der kleine Bach sich im Wiesengrund verläuft,« sagte Jonas voll Stolz und Bewunderung; daß er einen solchen Fund that, war ihm ein ganz unerwartetes Landvergnügen, er hatte eigentlich nur auf Raupen gerechnet, und höchstens auf eine Blindschleiche.
Ruth beteiligte sich nicht an der Unterhaltung über die Schlange, die Jonas gar nicht aufhören konnte zu bewundern, während sie Kaffee tranken. Seitdem sie im Garten Jonas mit dem Eimer in der Hand begegnet waren, verhielt Ruth sich ganz still. Sie hatte heimlich gehofft, Klare-Bel würde gegen die Schlange protestieren, aber die erkundigte sich ja nur danach, ob das Tier wohl jemand totbeißen könnte. Und das war an einer solchen Schlange doch wohl das Geringste, fand Ruth.
Jetzt gelang es der Ringelnatter, nach mehreren vergeblichen Versuchen, sich auf dem Boden des Eimers aufzurichten, sie wiegte rhythmisch ihren Oberkörper und guckte mit ihren kleinen klugen schwarzen Augen die Anwesenden an.
Klare-Bel blickte zufällig auf Ruth, deren Glieder ein Zittern durchlief, und die die halbgefüllte Tasse niedersetzte und erblaßte.
»Wirf das Untier fort, aber schnell, Jonas,« sagte seine Mutter rasch, »siehst du denn nicht, daß Ruth sich ängstigt?«
»Nein, lasse sie nur da,« fiel Erik ruhig ein, der Ruth die ganze Zeit über beobachtet hatte, »darauf soll keinerlei Rücksicht genommen werden.«
Dann wandte er sich in leichtem Ton an sie: »Liuba hat mir erzählt, daß du einmal wegen einer ähnlichen Kleinigkeit umgefallen bist. Strafe sie Lügen.«
»Hat Liuba gesagt: wegen einer Kleinigkeit?« fragte Ruth erstaunt. »Es war keine Kleinigkeit. Es war etwas fürchterliches, — kalt und grausig, — was so gewaltsam von außen kam, — so, wie wenn man einen umbringt.«
»Um Gottes willen!« bemerkte Klare-Bel, »was kann denn das nur gewesen sein?«