»Eine kleine Raupe!« entgegnete Erik spottend.
Ruth wollte wahrheitsgemäß verbessern: »Eine große Raupe,« aber sicherer erschien es ihr, nicht noch ausdrücklich zu bestätigen, daß es nur eine Raupe gewesen war.
»Paß mal auf,« rief Jonas, »ich werde das Prachttier zähmen; Ringelnattern sind zutraulich und verständig, man kann sie gern um den Hals winden. Dann spielen wir ›Schlangenbändiger‹. Hast du je schon etwas so Schönes gehört? Ich bin der Schlangenbändiger. Da brauchst du dich gar nicht zu fürchten. Du siehst nur zu und — und bewunderst mich.«
Erik lachte und griff ihm ins kurzgeschorene Blondhaar.
»Stopf deiner Eitelkeit den losen Mund,« warnte er, »denn schon ist die Zeit ganz nah, wo Ruth sich nicht mehr mit der Zuschauerrolle begnügen wird. Wo sie selbst, freiwillig, aus eigenem Antriebe, an die Schlange herantritt, sie in die Hand nimmt und sich auf den Körper hinaufkriechen läßt.«
Ruth hatte vergeblich versucht, ihn zu unterbrechen.
»Ich! Wann wird das sein?« fragte sie, ganz außer sich vor Erstaunen.
»Wann? vermutlich schon bald.«
»Nein! Nie!« versicherte Ruth, noch ganz fassungslos über seinen Irrtum, »ich würde mich ja immer fürchten.«
»Das würdest du wohl. Aber das ist noch kein Gegengrund. Es kommt vor, daß man stärker ist als die eigene Furcht, und daß man sie totschlägt.«