Die andern verstanden sie nicht recht, nur Erik, der sie unausgesetzt im Auge behalten hatte, entschlüpfte ein Laut der Ueberraschung.
»Jetzt gleich?« wiederholte er, »nein, mein Kind, das ist weder gut noch notwendig. Es wäre eine ebensolche Uebertreibung wie das mit dem Nachtarbeiten. Und nach dieser Nacht bist du mir jetzt nicht fest genug dazu.«
»Ich bin fest!« versicherte sie fast flehend, »aber warten kann ich nicht auf etwas so Grausiges! Ich kann es nicht so heranschleichen sehen, — Tag für Tag, — immer näher, — immer gewisser; — mit einer Schlange zusammenwohnen, vor der ich mich fürchte, — und die mit der ganzen Familie immer intimer wird, — — und nur auf mich lauert, — nein, das kann ich wirklich nicht!«
Erik lachte, sah aber dabei besorgt aus. Dies kam ihm ganz unerwünscht.
»Aber Ruth!« sagte er, »hat dich denn deine Phantasie mit Haut und Haar aufgefressen? Eine solche Kleinkinderangst legt man am sichersten in allmählicher Gewöhnung ab. Mir ist es lieber, wenn es allmählich geschieht. Ueberlege es dir! Denn, wenn du darauf bestehst, gibt es kein Zurückweichen mehr! Dann kein Spielen und Versuchen! Das würde ich nicht dulden. Deiner selbst mußt du sicher sein.«
»Ja!« behauptete Ruth, und die Stirn wurde ihr feucht.
»Willst du es trotzdem? Gut. Dann komm her.«
Erik beobachtete sie mit gespannter Aufmerksamkeit und trat zugleich von hinten an sie heran, damit sie sich mit dem Rücken gegen ihn lehnen mußte, wenn sie etwa »umfiel«.
Sie stand mit herabhängenden Armen da und machte ein entschlossenes, beinahe finsteres Gesicht. Als er sich aber nach dem Eimer bückte, und sie, dicht vor sich, die Schlange in seiner Hand sich winden sah, überfiel sie ein Schwindel.
Unwillkürlich schlossen und ballten sich krampfhaft ihre Hände, denen sie befahl, sich nach dem glatten Wurm auszustrecken; sie machte zuckend die Augen zu, und es fing an, ihr vor den Ohren zu sausen.